Bei der Auswahl der passenden Rack-PDU muss man zahlreiche Faktoren berücksichtigen, unter anderem den Standort des Rechenzentrums, die Anforderungen der Anwendungen und IT-Geräte, die verfügbaren Energieressourcen, den verfügbaren Platz im Serverschrank und die Energieverwaltungs- und Effizienzziele. In den folgenden Ausführungen werden wir viele dieser Faktoren eingehend betrachten.
Wenn Sie ermittelt haben, welcher Gerätetyp in welcher Stückzahl in Ihre Serverschränke passt, können Sie die physische Konfiguration (Anzahl und Art der Anschlüsse) und Stromversorgungskapazität (kVA) festlegen, die Ihre PDUs benötigen. So erfordert eine Rack-PDU, die 40 Server im kompakten 1HE-Pizzaboxformat über ein Zufuhrkabel mit Strom versorgen soll, eine völlig andere Konfiguration als eine PDU, die drei riesige Bladeserver im 10HE-Formfaktor mit sechs Zufuhrkabeln pro Server unterstützen soll.
Selbstverständlich gibt es für rund um die Uhr mit Mitarbeitern besetzte Standorte andere Entscheidungskriterien als bei mitarbeiterfreien Einrichtungen, die komplett per Fernzugriff verwaltet werden. Wenn Sie Ihr Rechenzentrum komplett per Fernzugriff oder mitarbeiterfrei verwalten wollen, werden Sie sich wahrscheinlich für eine PDU mit integrierter Switch-Funktion entscheiden, die eine umfangreichere Sicherheits- und Benutzerzugriffsverwaltung erfordert. Fernzugriffsanwendungen benötigen in der Regel zusätzlich eine SNMP-Verwaltung.
Auch eine Integration in Verzeichnisdienste wie LDAP oder Microsoft Active Directory® kann notwendig sein, da zunehmend die Überwachung des Ressourcen-Zugriffs verlangt wird anstelle eines separaten Zugriffskontrollsystems. Diese Funktion betrifft alle lokalen und externen Anwendungen, die eine zentrale Authentifizierung erfordern. Zahlreiche Anwendungen in Rechenzentren wie bei Behörden oder Finanzinstituten benötigen außerdem eine Verschlüsselung oder Unterstützung von starken Passwörtern.
Rack-PDUs müssen alle Geräte mit Strom versorgen, die daran angeschlossen sind. Sie möchten mit Sicherheit sämtliche Ereignisse vermeiden, die dazu führen, dass die Sicherung in der Rack-PDU oder im weiteren Stromkreisverlauf in einem Schaltschrank ausgelöst wird. Die Möglichkeit, Server in einer bestimmten Reihenfolge einzuschalten, erweist sich als hilfreiche Funktion, um zu vermeiden, dass die Stromzufuhr überlastet und eine Sicherung ausgelöst wird. Dies erreicht man, indem man eine Einschaltreihenfolge für mehrere Geräte mit entsprechender Verzögerung festlegt. Diese Funktion verhindert jedoch nicht nur, dass eine Sicherung ausgelöst wird, sondern ermöglicht den Anwendern auch, eine Reihenfolge vorzugeben, in der die von ihnen benötigten Services und Geräte beim Ein- und Ausschalten hoch- bzw. heruntergefahren werden. Beispielsweise wenn Sie Ihren Datenbank-Service vor Ihren Webservern hochfahren möchten.
Bei bestimmten Anwendungen oder Geräten können individuell konfigurierbare Alarmschwellen für jeden Stromversorgungsanschluss oder die gesamte PDU erforderlich werden. Damit lassen sich die Stromversorgungsanschlüsse von weniger wichtigen Geräten abschalten, falls die PDU eine bestimmte Stromzufuhrmenge überschreitet, die eine Sicherung auslösen könnte.
In vielen unternehmenskritischen Umgebungen sind verwaltete Geräte aus Ausfallschutz- und Redundanzgründen oft mit mehreren Stromversorgungsanschlüssen von verschiedenen Stromkreisen ausgestattet. Deshalb muss das verwaltete Gerät unabhängig von der Anzahl der Stromzufuhranschlüsse und -stecker wie ein Einzelgerät behandelt werden, und alle Stromversorgungsanschlüsse müssen gleichzeitig überwacht und verwaltet werden. Diese Funktion wird auch als Anschlussgruppierung bezeichnet, bei der mehrere Stromversorgungsanschlüsse wie beispielsweise die sechs Anschlüsse für die sechsfache Stromversorgung eines Bladeservers als zusammenhängende Einzelgruppe gleichzeitig ein- und ausgeschaltet werden. Eine solche Funktion kann auch lokale und externe Anwendungen betreffen.
Speziell für personalfreie oder per Fernzugriff verwaltete Standorte kann ein ereignisgesteuertes Ein- und Ausschalten von Stromversorgungsanschlüssen und Geräten erforderlich sein. Wenn beispielsweise ein Gerät an einem externen Standort nicht reagiert und das WAN ausgefallen ist, haben Sie nur zwei Möglichkeiten: ein teurer, zeitaufwändiger Besuch am externen Standort, um das Gerät persönlich neu zu starten oder eine Rack-PDU, die so clever ist, dass sie das gestörte Gerät automatisch komplett neu startet, wenn es beispielsweise seit 20 Minuten nicht mehr reagiert.
Wenn Sie Ihre Energieeffizienz steigern möchten, können Ihnen Rack-PDUs wertvolle Daten liefern, die Sie bei Ihren entsprechenden Initiativen unterstützen. Messen Sie die Stromstärke, Spannung und den Leistungsfaktor auf der PDU-, Stromleitungs-, Sicherungs- und Stromversorgungsanschlussebene. Erfassen Sie präzise kWh-Messwerte an der Stromversorgungsanschlussebene, insbesondere wenn Sie bestimmten Endnutzergruppen oder Abteilungen deren exakten Stromverbrauch für Ausgleichsbuchungen berechnen oder zu deren Information in Berichten nachweisen müssen. Die Messgenauigkeit kann stark schwanken. Bei einigen Rack-PDUs basieren die Berechnungen unter Umständen auf Hochrechnungen, jedoch nicht auf tatsächlichen Echtzeitmessungen, was die Genauigkeit der Messwerte weiter unterminiert. Die besten PDU-Systeme bieten eine Abrechnungsgenauigkeit von +/- 1 %. Fortschrittliche PDUs unterstützen meistens schon Umgebungssensoren und berichtsrelevante Informationen wie die Temperatur an den betreffenden Racks, mit denen sich die Leistung der Klima-, Lüftungs- und Heizungssysteme so anpassen lässt, dass sie mit höchster Effizienz und gleichzeitig so sicher arbeiten, dass sie Alarmmeldungen ausgeben, falls unzureichend gekühlte Hotspot-Zonen im Rechenzentrum entstehen.
Rack PDU-Funktion
Rack-PDUs unterscheiden sich nicht nur sehr bei ihren operativen, sondern auch bei ihren Überwachungs- und Datenerfassungsfunktionen. Nachfolgend finden Sie einen Überblick über die Stärken und Schwächen der vier unterschiedlichen Rack-PDU-Typen/-Klassen. Wir haben diese nicht übermäßig strikt unterteilt, da ihre Funktionen je nach Hersteller variieren und Sie natürlich PDUs auswählen möchten, die insgesamt am besten zu Ihren Anforderungen passen. Diese Übersicht kann Ihnen jedoch für diesen Zweck als nützlicher Entscheidungshelfer dienen.
Basis-PDUs
- Stärken: Einfacher technischer Aufbau, niedrigste Kosten, bewährte Technologie, äußerst zuverlässig.
- Schwächen: Geringer Ausstattungsgrad, lassen sich nicht auf jeder Ebene verwalten.
Mess-PDUs
- Stärken: Möglichkeit zur Echtzeitüberwachung des Stromverbrauchs auf der PDU-Ebene. Bei einigen Modellen können die IT-Mitarbeiter durch benutzerdefinierbare Alarmmeldungen automatisch und rechtzeitig vor drohenden Stromkreisüberlastungen gewarnt werden.
- Schwächen: Beschränkte Datenausbeute, liefern u. a. keine Daten zur geschäftskritischen Umgebung; kein Ein-/Aus-/Umschalten von Stromversorgungsanschlüssen (Switching) möglich.
Switch-PDUs
- Stärken: Bieten bestimmte oder alle Funktionen von Mess-PDUs sowie Funktionen zum Ein- und Ausschalten von Geräten/Anschlüssen per Fernzugriff; ermöglichen ein Anschlussebenen-Switching sowie die Vorgabe einer Einschaltreihenfolge und -verzögerung für einzelne Geräte bzw. Anschlüsse.
- Schwächen: Müssen sorgfältig verwaltet werden; hohes Risiko für versehentliches Ein- oder Ausschalten von Geräten bzw. Stromversorgungsanschlüssen. Eignen sich nicht für alle Umgebungen, beispielsweise nicht für Bladeserver. In der Regel nur beschränkte Datenausbeute, liefern u. a. keine Daten zur geschäftskritischen Umgebung; keine Überwachung der Stromversorgungsanschlussebene möglich.
Intelligente PDUs
- Stärken: Geräte auf dem neuesten Stand der Technik; lassen sich per Fernzugriff über einen Internetbrowser oder eine Befehlszeilenschnittstelle (CLI) bedienen und überwachen. Die Modelle bieten sämtliche Funktionen der Switch-PDUs und ermöglichen zusätzlich eine Überwachung der Anschlussebene, standardbasierte Verwaltung, Integration in vorhandene Verzeichnisserver, erweiterte Sicherheit und umfangreiche individuelle Konfiguration. Liefern umfangreiche Stromdaten wie Spannung, Stromstärke, Scheinleistung, Wirkleistung, Echtzeit-Umgebungsdaten und in manchen Fallen auch den Stromverbrauch pro Stunde (kWh) in Echtzeit.
- Schwächen: Höhere Kosten im Vergleich zu Basis- und Mess-PDUs aufgrund ihrer erheblich umfangreicheren technischen Ausstattung.
Erfahren Sie mehr über die Vorteile intelligenter Rack-PDUs